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Chronik der Karnevalsgesellschaft Giebelstadt 1956 e.V.
Stand: Sommer 2018

Bereits im Vorfeld zur Vereinsgründung gibt es Hinweise auf karnevalistische Aktivitäten in Gie-belstadt. Beleg ist eine handschriftliche „Kübelstadter Narrenzeitung“ vom 16. Feb. 1909, die mit einer Auflage von 299 Exemplaren herausgegeben wurde; übrigens am Tage der feierlichen Einweihung der Gaubahn. Weitere Nachweise sind eine gedruckte Narrenzeitung von 1928 sowie ein Bilddokument aus den 30er Jahren. Daher darf man heute mutmaßen, dass karnevalistische Zusammenkünfte zu allen Zeiten in der einen oder anderen Form gepflegt wurden.
Die Ochsenfurter Zeitung berichtet am 16. April 1953 von einer Veranstaltung der Sportvereini-gung Giebelstadt -„Kunterbunt für zwei Stund“- unter der Leitung von Lehrer Appel.

1956/57, am Rosenmontag, veranstaltete ein Häuflein närrischer Idealisten einen kleinen Umzug mit ca. 10 Wagen. Unterstützt wurden sie von Freunden aus Bütthard und der näheren Umge-bung. Nach mündlicher Überlieferung waren dabei treibende Kräfte Willi Lehmbrink, Hans Hof-mann, Ignaz Schmitt, Dr. Walter Scholz, Rudi Seifert, Fritz Rimmele, Walter Knöppel, Hans Steglich, Ewald Domin, Herbert Mayer, Alfons Scheuermann, Dr. Herbert Dotzauer, Dr. Gustl Stefaner, Hans Zenglein, Alois Feser, Fritz Eidtner, Felix Scheckenbach, Willi Weimer, Margit Schwarzfeldt, Charlotte Steglich und Margarethe Reuter.

Ein Faschingszug wurde nach 1957 für lange Zeit nicht mehr durchgeführt

Willi Lehmbrink nahm „als Motor“ das Heft in die Hand und sprach Giebelstädter Vereine sowie die Lehrerschaft der hiesigen Schule an, um Stimmungskanonen für die Gestaltung von Prunksit-zungen zu gewinnen. Diese Frauen und Männer der ersten Stunde schlossen sich zusammen und gründeten die ziemlich rheinisch klingende „Karnevalsgesellschaft Giebelstadt“, vorerst als lose Vereinigung.
Man machte es sich zur Aufgabe, in der fünften Jahreszeit Mitmenschen Frohsinn und Heiterkeit zu vermitteln und das närrische Brauchtum zu pflegen.
Das Hauptaugenmerk lag auf der Saalfastnacht – Prunksitzungen. Diese Veranstaltungen wurden im Saalbau Lutz abgehalten, die damals einzig größere Veranstaltungsstätte in Giebelstadt. In „drangvoll fürchterlicher Enge“ drohte die Räumlichkeit oftmals aus den Nähten zu platzen.
Aus der rheinisch geprägten Karnevalsgesellschaft wurden schlicht die „Dachdorfer Narren“.

Dank der Hilfe des Patenvereins aus Tauberbischofsheim, der Fastnachtsgesellschaft „Bische-mer Kröten“, wuchs der Bekanntheitsgrad der „Dachdorfer Narren“ im fränkischen Umland schnell. Ein beachtlicher Stamm eigener Aktiver, Hans Hofmann, Valentin Henneberger, Oskar Pfrang, Richard Reuter, Andeas Groß, Karl-Heinz Haug, Hans-Dieter Heinrich, Paul Heinrich, Achim Kipke, Erich Weber, Ludwig Donner, Hansi Kraus u.a., wusste das Publikum zu begeis-tern, unterstützt von befreundeten Narrengesellschaften aus der näheren und weiteren Umge-bung.
Fulminant ging es weiter mit dem närrischen Feuerwerk: Man begrüßte Gäste aus Frankfurt/M., Heilbronn oder Aschaffenburg, hatte einen Damen-Elferrat, konnte einen Faschingsprinzen aus Texas aufweisen und unterstützte regelmäßig die örtlichen Vereine mit Besuchen des Hofstaates bei den Vereinsbällen.

Mit einer weiteren Initiative im Zusammenwirken mit den US-Streitkräften konnte 1960 der heute traditionelle Kinderfasching auf dem Flugplatz begründet werden, der im Laufe der Zeit bis zu vierhundert deutsche und amerikanische Kinder in gemeinsamer Aktion sah.

Auf Grund den zunehmenden Aktivitäten entschloss man sich 1962, die Gesellschaft auf gesicher-te Basis zu stellen und betrieb unter Führung von Hans Hofmann die Eintragung in das Vereins-register unter dem Namen „Karnevalsgesellschaft Giebelstadt 1956 e.V.“ Als 43. Gesellschaft trat der Verein zeitgleich dem Landesverband Franken im Bund Deutscher Karneval bei, dem heutigen Fastnachtsverband Franken (FvF).

Ende der 60er-Jahre, mit Einzug der Bundeswehr in das Klingholz, knüpfte man unter neuer Füh-rung von Rudolf Seifert und Alois Feser erste Kontakte zu den Soldaten, die sich später zu festen Banden entwickelten sollten. Neben einer Prunksitzung gestalteten die Klinghölzer ab Anfang der 70er Jahre bis zur Auflösung der Kaserne 1995 alljährlich den allseits beliebten Kinderfasching mit Ramba-Zamba.

Beginnend mit dem Jahr 1968 wurden zusätzlich zu den Prunksitzungen Seniorensitzungen am Nachmittag veranstaltet. Zuerst im Kreisaltenheim in Aub und danach im Saalbau Lutz. In Fort-setzung dieser Tradition veranstaltet die Gesellschaft noch heute im Zusammenwirken mit der Marktgemeinde eine närrische Familiensitzung. Mit Prinzenpaar und Hofstaat werden u.a. die örtlichen Seniorenheime, die Fuchsenmühle wie die ARCHE in Würzburg regelmäßig besucht.

Die 80er Jahre beinhalteten für die Dachdorfer Narrenschar zahlreiche Veränderungen. Nicht nur,
dass sich in der Führung der Gesellschaft der erste Generationenwechsel vollzog, Karl-Heinz Haug und Willi Heim übernahmen das Ruder des Narrenschiffs, die Mitgliederzahl wie auch die Anzahl der Garden stiegen kräftig an.
Die Mehrzweckhalle wurde gebaut und im Jubiläumsjahr 1986 eingeweiht. Für die Gesellschaft eine Herausforderung hinsichtlich Organisation und Dekoration der Veranstaltungen.
Diesen Umstand hatte der damalige Prinz Bernhard I. (Krenkel) zugleich als Aufforderung ver-standen, denn er initiierte die Wiederbelebung des örtlichen Faschingszuges. Mit überwältigen-der Resonanz zogen im März 1987 große und kleine Narren mit Motivwagen oder als Fußgruppen in einem beeindruckenden Gaudizug durch Dachdorfs Straßen. Im Anschluss wurde die neue Mehrzweckhalle erstmals gestürmt, um die Faschingssession dort ausklingen zu lassen. Diese närrische Tradition wird bis dato am Faschingsdienstag gepflegt und vom jeweils amtierenden Zugmarschall organisiert.

Zum Ende der Dekade feierte man 1989 zusammen mit der Marktgemeinde, karnevalistischen Honoratioren und Narrenfreunden aus nah und fern sowie vielen Freunden und Gönnern ein run-des, närrisches Jubiläum, „3 x 11“ mit Standkonzert, Empfang im Rathaus und zünftigem Fest-abend an alter Wirkungsstätte, im Saalbau Lutz.

„Nichts ist beständiger als der Wandel“. Unter diesem Motto könnten die 90er Jahre stehen.
In der neuen, großen Halle gewannen die Sitzungen zunehmend an Profil.
Erstmals in der Geschichte der Gesellschaft fiel eine Session aus: 1991/92 wegen des 1. Irak-Krieges, ein herber Rückschlag. Mit gemeinsamer Anstrengung wurde diese Klippe letztlich um-schifft und das Narrenschiff auf Kurs gehalten.
Ein neuer Sitzungspräsident, Harry Piel, sowie eine junge Trainingsmannschaft der Garden und zusätzliche Veranstaltungen sollten nicht nur den Mitgliederbestand positiv beeinflussen.

Man feierte das 40. Jubiläum im gerade fertig gestellten Kartoffelkeller, stürmte mit Unterstüt-zung der Festspielgemeinschaft „Florian Geyer“ mehrfach erfolgreich das Rathaus. Die Inthro-nisierung der Prinzenpaare fanden im Rathaussaal, später Kartoffelkeller, statt. Ebenso beteilig-te sich die Gesellschaft gemeinsam mit anderen Vereinen beim Charivari-Sommerfest, das leider wegen eines sommerlichen Starkregens buchstäblich ins Wasser fiel. Gemeinsam mit der Freiwil-ligen Feuerwehr, der Sportvereinigung und dem Verband der Kegler veranstaltete man mehrere große Rosenmontagsbälle mit namhaften Kapellen in der neuen Mehrzweckhalle.

 

Jahrtausendwende: Wieder ein närrisches Fest, 4 x 11 Jahre, zugleich 22 Jahre „Groß-Dachdorf“.
Ein Festkommers im Kartoffelkeller mit Franz „Mekki“ Binder, Präsident des FvF, Landrat Waldemar Zorn und 21 Abordnungen närrischer Freunde als Gäste, gefolgt von einem festlichen Abend im vollbesetzten Saalbau Lutz, war Anlass genug, auch alle ehemaligen Prinzenpaare ein-zuladen; eine überwältigende Resonanz.
Nach der Jubiläumssession fand neuerlich eine Verjüngung der gesamten Führungsmannschaft statt. Mit frischem Elan machten sich Ralf Walther und Helmut Sußner sowie der zwischenzeit-lich etablierte Sitzungspräsidenten Ricky Fry mit neuen Ideen an die Arbeit. Als besondere Her-ausforderung stand die nunmehr notwendige Ausstattung der Garden mit neuen Kostümen ganz oben auf dem Agenda. Dieses Vorhaben wurde in der Folge von deren Nachfolgern, Jürgen Kraft und Wilfried Kappe umgesetzt. Ihnen zur Seite stand als närrischer Chef, Sitzungspräsident Stan-ley Thomas, der dieses Amt ein gutes Dutzend Jahre wahrnahm.
Unter dem Motto „50 Jahre bunte Schau“ mit sieben Stunden Jubiläumsprunksitzung und großem Programm, exotischer Showtanzeinlage, scharfzüngigen „Dachdorfer Ratschn“, wurde in Anwe-senheit zahlreicher Ehrengäste und Abordnungen bis tief in die Nacht gefeiert. Die Lokalpresse konstatierte im Anschluss: „die Narren vermitteln ein Stück Heimatgefühl“.

„2008-2018 das Jahrzehnt der Umbrüche“, titelte kürzlich eine renomierte Zeitung. Dies gilt auch für den Dachdorfer Lokalkolorit: Neuer Bürgermeister mit jungem Gemeinderat, die Ameri-kaner abgezogen, der Flugplatz verwaist; ein Smartphone betritt die große Bühne, eine neue La-denmeile entsteht, eine sich abzeichnende Lösung für die Umgehungsstraße nimmt Gestalt an und bei den Narren wiederum ein verjüngtes Präsidium. Dem sich wandelnden Zeitgeist folgend, übernahm mit Claudia Möhle erstmals eine Frau das Kommando über das Narrenschiff, assistiert von Michael Hermentin.
Beide Präsidenten begannen alsbald mit den Vorbereitungen für den nächsten närrischen Ter-min: 5x11 Jahre Dachdorfer Fasenacht, der im Jahre 2011 wiederum groß gefeiert wurde. Be-dingt durch den Neubau der Sportanlage in Giebelstadt konnte die KG zeitgleich das nunmehr leerstehende Sportheim bei der Mehrzweckhalle als Vereinsheim übernehmen und mit der Reno-vierung beginnen.
Unter Führung der dann amtierenden Präsidenten, Michael Hermentin und Jürgen Ramig, wur-den die Räumlichkeiten zu einem närrisch-repräsentativen Vereinsheim umgestaltet.
Neue Besen kehren gut, in Abwandlung des Sprichwortes wurden neben den traditionellen Prunk-sitzungen neue, zusätzliche karnevalistische Veranstaltungen, insbesondere für Mitglieder, ins Leben gerufen. So startet man beispielweise am 11.11. mit einer Auftaktveranstaltung in kleinem Rahmen, feiert zu Beginn der Session einen öffentlichen, Narren-Gottesdienst in einer der örtli-chen Kirchen oder genießt am Rosenmontag einige unterhaltsame Stunden bei den Gastwirten des Ortes.

Aber auch traurige Anlässe prägten die jungen Jahre des neuen Jahrtausends. Wir mussten für immer Abschied nehmen von unserem langjährigen Präsidenten und Ehrensenator Willy Heim, unserem Ehrenvorsitzenden Alois (Opa) Feser, unserem Ehren- und Gründungsmitglied Hans Hofmann, dem Geburtshelfer des Vereins und Patenonkel Harry Chrzoncz (TBB), unseren ehema-ligen Vorsitzenden Paul Heinrich und Karlheinz Haug sowie dem langjährigen Mundschenk Hans-Dieter Heinrich.

Derzeit wird die Gesellschaft von einem in diesem Jahr (2018) neuerlich verjüngten Team um Christian Barrecca, Präsident, Christian Friedl, Vizepräsident, und Sandra Hermentin erstmals als Sitzungspräsidentin geführt.

Heute unterhält die Gesellschaft fünf Garden, beginnend mit der Purzelgarde bis hin zum Män-nerballett. Zeitweise sind bis zu 100 Gardemädchen im aktiven Training. Ideenreiche Trainerin-nen engagieren sich mehrmals pro Woche ehrenamtlich, um überzeugende, pfiffige Tänze auf die Bühne zu bringen. Neben dem Applaus des Publikums sind beachtenswerte Platzierungen bei Gardetanz-Wettbewerben ein erfreuliches Ergebnis.

Außer den wesentlichen Faschings-Aktivitäten hat die Gesellschaft bereits in jungen Jahren ih-ren Platz im gesellschaftlichen Leben der Marktgemeinde gefunden und eingenommen. Mit Bene-fizveranstaltungen zugunsten karitativer Zwecke, Herbst- oder Kirchweih-Tanzveranstaltungen, Maitänzen und Rosenmontagsbällen, dem Stelldichein beim Kerzenschein und Halloween-Veranstaltungen, wie auch bei Gemeindefesten, Markttagen oder anderen Events der Marktge-meinde: Die Narren haben sich jeweils aktiv in das gesellschaftliche Leben Dachdorfs einge-bracht.

Intern wurden neben Vereins- und Sommerfesten erinnerungswürdige Ausflüge, z. B. ins Zillertal, an die damalige Zonengrenze, nach Bad Windsheim, Bamberg u.a. sowie Freizeiten für Garde-mädchen organisiert.

Dank gebührt abschließend den Chronisten Rudolf Seifert† und Achim Kipke.

Verfasser: J. Kraft

 

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